Deutschland 2026 – Die Wahrheit tut weh.
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Salih Altınışık
Ekonomist • ATDF Başkanı • TULİP Forum Sözcüsü

Deutschland erlebt eine bemerkenswerte politische Verschiebung und kaum jemand scheint das Gesamtbild noch wahrzunehmen.

CDU und FDP entdecken zunehmend die Abgrenzung vom Islam als politisches Mobilisierungsmittel. Eine Religion, die für Millionen Menschen Frieden, Vernunft, Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt bedeutet, wird dabei immer häufiger auf Schlagworte reduziert und zum Gegenstand politischer Profilierung gemacht.

SPD und Die Linke wiederum verlieren sich in ihrer Auseinandersetzung mit der Türkei bisweilen derart in der deutschen Innenpolitik, dass der Eindruck entsteht, sie wollten nicht nur deutsche Politik gestalten, sondern zugleich die Rolle einer türkischen Oppositionskraft übernehmen.

Die AfD macht es sich noch einfacher: Sie verwandelt Ressentiments, kulturelle Ängste und gesellschaftliche Polarisierung unverhohlen in politisches Kapital.

So präsentiert sich das politische Spektrum einer Bundesrepublik, deren Öffentlichkeit längst deutliche Zeichen politischer und gesellschaftlicher Erschöpfung zeigt – und möglicherweise gerade deshalb kaum noch erkennt, wie sehr sich der öffentliche Diskurs verändert hat.

Und die europäischen Türken?

Sie scheinen vielfach in einer vollkommen eigenen politischen Wirklichkeit zu leben zwischen deutscher Innenpolitik, europäischen Identitätsdebatten und einer emotionalen Bindung an die Türkei, ohne sich ihrer eigenen gesellschaftlichen und politischen Bedeutung in Europa wirklich bewusst zu sein. Das ist vielleicht die eigentliche deutsche Momentaufnahme unserer Zeit. Eine erschöpfte Gesellschaft. Eine Politik, die immer stärker von Abgrenzung lebt. Ein öffentlicher Diskurs, der zunehmend polarisiert und Millionen Menschen, die mittendrin stehen aber politisch dennoch zwischen den Welten bleiben.

Deutschland 2026. Nicht die Lautstärke der politischen Debatte sollte uns beunruhigen. Sondern ihr Niveau.

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